06.08.09
An einem wunderschönen Mittwoch
26.05.09
Woher die Angst?
Heute ist er wieder da und macht weiter. Finde ich klasse!!! Plötzlich klattscht er wieder (hiesiger Klingelersatz), fängt an zu rufen und dann zu schreien. Ich laufe hin. Ein großer Polizeipickup steht vor dem Haus. Unser Arbeiter wäre vor Panik fast über den Zaun zu uns hereingeklettert - aber das wäre ja noch verdächtiger.
Ein Polizist fragt aus dem Auto, ob das unser Angestellter wäre. Ich bin erst ziemlich iritiert, weil ich unser Verhältnis nicht so definitiv bezeichnen würde, bejahe dann aber. Dann ist ja alles in Ordnung - die Polizei fährt weiter. Unser Arbeiter beruhigt sich nur langsam. Er sagt, sie haben ihm Prügel angedroht. Wahrscheinlich war sein Aufenthalt hier verdächtig!? Dabei arbeitete er auf der Straße!! Als er fertig ist und geht, bedankt er sich nochmal, dass ich ihn vor der Polizei beschützt habe! Ich bin ziemlich sprachlos... Ist das der Preis dafür, dass unser Viertel so ruhig und sicher ist....
20.11.08
05.11.08
Inspirierend reden
02.10.08
Zeloten
"Und wenn in der Schule andere Kinder Schimpfworte benutzen, dann schlagen meine Kinder sie!!!"
Na dann hat es ja geklappt mit der Erziehung zu christlichen Werten. Tja,...
25.09.08
Was ist los?
Was ist los in diesem Land? Ich bin gerade dabei, ultrakonservativ zu werden, bei allem was mit Ehe und Familie zu tun hat. Aber vielleicht werde ich doch lieber feministisch? Ich wünschte es gäbe einen –ismus der die miserablen Verhältnisse in den paraguayschen Familien verbessern könnte. Sozusagen eine Medizin. Religiosität hilft nichts. Es gibt hierzulande kaum einen Bus auf dem nicht „Gott schütze uns“, „Jesus ist Retter“ oder dergleichen mehr zu lesen ist. Es gibt einen Fernsehsender der ständig fromme Sprüche bringt. Einer der beliebtesten Radiosender ist evangelisch...
Die Probleme der Ein-Eltern-Familien scheinen noch am einfachsten und vor allem am klarsten begrenzt zu sein. Mama muss arbeiten, wo sollen also die Kinder bleiben? Und dann halt die „normalen“ Erziehungsprobleme. Wobei zu "normal" gehört, dass man sich halt überlegen muss, wie ein Elfjähriger es schafft, morgens um 6 Uhr aufzustehen, seine beiden jüngeren Schwestern zu wecken, sie in die Kita zu bringen und sich selbst zur Schule... Das sind Peanuts. Über die 10-jährige Nida braucht man sich anscheinend keine Gedanken zu machen, denn wenn sie nicht zur Schule muss, braucht ihre zweijährige Schwester auch nicht in die Kita, auch wenn Mama den ganzen Tag auf Arbeit ist. Die große Schwester als Ersatzmama.
Am schlimmsten finde ich die Beziehungsprobleme der Erwachsenen, speziell der Ehepartner. Hier hat der Mann eine zweite Liebesbeziehung und zwingt seine Frau, diese zu akzeptieren. Dort flirtet die Frau wieder mit ihrem Ex-Lover und wundert sich, wenn ihr Mann eifersüchtig reagiert. Dann ist da Marie, die ihrem Mann absolut treu ist, aber ihre Arbeit aufgeben musste, weil er Angst hatte, sie würde sich andere Partner angeln – was er durchaus getan hat, damals als sie mit ihrem ersten Kind schwanger war... Außerdem bringt er kaum genügend Geld nach Hause, weil er am Zahltag gerne mal mit Freunden ausgeht und auch mal einen über den Durst trinkt.
Dann ist da Familie Cáceres. Der Mann verdient gut, studiert nebenher Jura, will bald seine Abschlussarbeit schreiben. Sie scheint ihm treu ergeben und versorgt mit viel Hingabe ihre sechs Kinder, die alle sehr scheu und schüchtern sind, ärmlich angezogen, schmal und blass. Eines fängt an zu klauen. "Die Kinder sind ständig hungrig", erklärt mir eine Nachbarin. Der Vater hat noch zwei weitere Familien mit weiteren 10 Kindern... Wie soll da bitte der beste Lohn ausreichen? Wenn die Kinder nicht spuren, beziehen sie Prügel. Bei größeren Vergehen ruhig auch mal mit dem Stock, mit einem Kabel... Die Mutter bekommt kein Geld auf die Hand, er stellt die Lebensmittel zur Verfügung. Die Kleider für ihre Kinder näht sie selbst, verkauft Eier von ihren Hühnern, selbstgekochte Marmelade und Berliner... Sie traut sich kaum um Hilfe zu bitten, sich Rat zu holen, denn sie hat Angst vor ihrem Mann.
Eine meiner Nachbarinnen hat angeblich zwölf Kinder. Ihr Sohn meint allerdings, sie seien zu neunt. Ich kenne nur vier davon und zwei sehe ich gelegentlich. „Der Herr versorgt mich“ sagt sie fromm zu mir, ...und die nette Nachbarin (nämlich ich) kümmert sich wenigstens ab und zu um ihre Kinder, die sie unbekümmert in die Welt gesetzt hat und die z.T. mehr als verhaltensauffällig sind... Jetzt wohnt der Vater der jüngsten beiden Kinder wieder bei ihr... Man sollte ihr eine Packung Kondome schenken... aber die benutzt ein echter Macho wahrscheinlich nicht. Die Pille ist zwar fast gratis, aber ihr bestimmt zu ungeistlich („Ich nehme was der Herr mir schenkt“), eine Sterilisation sicher zu teuer... (teurer als eine Geburt.)
Und heute stand eine fremde Frau vor meiner Tür, die ein niedliches Kind mit einer hässlichen Lippen-Kiefer Spalte auf dem Arm trug. Sie habe elf Kinder und keine Arbeit. (Und wie viele Männer die keine Alimente zahlen???) Und das Einjährige könne erst in einem halben Jahr operiert werden...
Und inmitten von diesem Gomorra lebe ich mit meinem liebevollen, treuen Mann, der selbst bei großem Stress niemanden verprügelt, nicht raucht, kaum trinkt, sogar im Haushalt hilft, und mit meinen drei tollen Kindern in einem ausreichend großen Haus mit fließend Wasser, eigenem Stromanschluss, Telefon, Handy, Klimaanlage. Keine großen Krankheiten, keine Lover, keine Schulden und freien Zugang zum Konto meines Mannes... Ich passe zu meiner Gemeinde wie die Faust aufs Auge!
19.09.08
Bescheiden Wünsche
Dass kein Geld zum Essen morgen fehlt,
dass die Immobilienfirma nicht
uns vertreibt um Schulden ungezählt.
Dass bis Montag noch reicht Holz und Licht.
Dass der Sturm und Regen schnell vergeht,
und die Sonne trocknet was ist nass.
Dass mein Kind den Drogen widersteht.
Dass aus der Verzweiflung nicht wird Hass.
Dass der Mann mich nicht zu oft hart schlägt,
dass mein Sohn nicht lang im Knast mehr bleibt.
Dass zur Tochter noch kein Mann sich legt,
nicht vor sechzehn ihr ein Kind verschreibt.
Dass die Henne heute legt ein Ei,
fremde Kühe fressen nicht mein Korn.
Dass wir weiter alle bleiben frei.
Nächstes Jahr beginnen wir von vorn.
02.09.08
Sich näherkommen
"Wir haben so wenig Kontakt zu unseren Mitmenschen, dass wir ständig ineinandercrashen müssen um uns überhaupt gegenseitig zu spüren." So ähnlich formuliert es doch mein Lieblingsfilm "L.A. Crash".
Leoni war Gott sei Dank!!! angeschnallt, so dass sie zwar Genickschmerzen und vom Gurt eine Schürfwunde am Hals davontrug, aber keine Kopfverletzung. Die oftmals unangeschnallten Kinder die wir von der Schule zu ihren Eltern bringen wären ganz schön durch die Luft geflogen. Ab heute werden wir es beim Anschnallen wieder genauer nehmen. Das Auto machte durch den Schlag eine Drehung von fast 180 Grad.
Gut dass wir versichert sind. Der Cowboy entschuldigte sich und nahm die Verantwortung auf sich, wollte uns aber partout von einer Meldung bei der Versicherung abhalten und rieb Leoni dazu ständig seinen Dr., seinen Anwaltsberuf und seine besondere Vertrauenswürdigkeit als Familienvater unter die Nase. Zum Glück ist Leoni auf die Art nicht zu beeindrucken! Da unser Modell hier ziemlich selten ist, wird die Reparatur ein Schweinegeld kosten...
Ana, die Gott sei Dank!!! zu Hause geblieben war, schaute später das Auto an und sagte nur: "Auto bacala -- glaub ich!" (bacala = in Paraguay Kindersprache für "eklig", ähnlich verwendet wie "beäääähh"). Wo sie recht hat, hat sie recht.
28.08.08
Ja, ich bin!
Ich gestehe ziemlich perplex, das dem so ist. Der Kirchenname reichte der guten Frau offensichtlich, um sich wieder an diese außergewöhnliche, unglaubliche, blonde, verwöhnte und bildhübsche Göre zu erinnern, deren Vater zu sein ich die Ehre habe. Tja...
14.08.08
Stimmen die Mut machen
Wenn Lugo von Joseph Stiglitz beraten wird und wenn Eduardo Galeano als Ehrengast zu seinem Amtsantritt kommt, dann ist das in meinen Augen ermutigend.
Die Stimmung ist ziemlich angespannt im Land. Viele Interessen sind polarisiert, persönliche Fehden die mit politischen und juristischen Mitteln ausgetragen werden besetzen das medienabhängige Bewußtsein des Landes. Der Machtpoker schlägt hohe Wellen und Lugo braucht extrem viel Weisheit, besonders für den Start, die ersten 100 Tage. Regierungen sind wie Flugzeuge, die beim Start und beim Landen die meisten Unfälle erleiden. Hoffen und Beten!! wir, dass Paraguay heil in die Luft kommt und einen guten Flug hat. Die Startposition für Paraguay ist so gut wie nie seit dem Desaster des Dreibundkrieges. Im spanischen Wikipedia steht unter Krieg übrigens, das der Dreibundkrieg in Bezug auf die Ausrottung einer Landesbevölkerung der blutigste Krieg der Geschichte gewesen sei, da die Bevölkerung Paraguays von 1.400.000 auf 200.000 dezimiert wurde. Davon haben wir uns auch nach bald 140 Jahren noch nicht erholt! Das prägt die Konfliktkultur!
12.08.08
Kulturschock - kulturloser Schock
Es begann am Freitag mit einem Anruf: In unserer Kirche wurde in der Nacht eingebrochen! Der neue Rasenmäher mit Verlängerungskabel weg. Mist! Da dank meiner Bequemlichkeit und göttlicher Fügung der Verstärker grad bei uns zu hause war, war ja auch nicht viel mehr wertvolles drinn - dachte ich. Wir verrammeln die aufgebrochene Tür besser. Alle mit denen ich am Wochenende rede sind überzeugt, dass die Diebe in Eile waren und wiederkommen werden. Schließlich sind 2 Gasflaschen drinn, jede Menge Teller und Plastikbesteck, eine Gitarre, ein uralter Overheadprojektor, Kabel, Kühlschrank, Schränke, Gasherd, Tische... Ok - wußte ich nicht, dass all das einen neuen Einbruch durch eine verstärkte Tür lohnt - aber wenn ihr meint! Der Nachtwächter den wir bezahlen und wegen dessen Bewaffnung ich schon lang ein mulmiges Gefühl habe, hat übrigens nichts gesehen und gehört. Das wars dann wohl mit unserer Beteiligung an seinem Gehalt. Lieber in Gitter investieren. Kirche mit Gittern - scheußlich! Kann man nicht innen einen bombensicheren Raum bauen? Gibt es nicht, denn wenn sie einmal drinn sind sieht sie keiner und sie können die ganze Nacht in aller Seelenruhe arbeiten. Bei andern wurden schon Wände durchbrochen - sollen wir jetzt ein Gitter um das ganze Haus ziehen? Plötzlich tauchen auch Verdächtigungen auf: Natürlich waren das die Obdachlosen im Nachbarviertel. Nein, es war ein junger Mann der seit einigen Monaten zum Gottesdienst kommt. Hat einen ganz schlechten Ruf im Viertel und hat sich kürzlich zu sehr für den Inhalt unserer Abstellkammer interessiert... Angeblich!
Und wie reagieren wir jetzt? Am Freitagabend sprechen wir in der Gebetstunde darüber. Unbedingt anzeigen lautet die vehementeste Meinung. Ich hab keine Lust darauf. Erstens fürchte ich die Mühlen der Bürokratie und als Argument hab ich ja da noch gewisse alternative Vorstellungen über den christlichen Umgang mit Verbrechern. Ich grüble was wohl "andere Wange hinhalten" heißt und hab eine grandiose Idee. Wir werden ein Schild an die Straße hängen und bieten dem der uns den Rasenmäher zurückbringt 500.000 Gs. und Verzicht auf Polizei. Ich präsentiere meine Idee am Sonntag im Gottesdienst. Aufgeregte Diskussion. Alle sind gegen Anzeige erstatten, aber alle aus Motiven die mir nicht gefallen. Die einen weil es eh nichts bringt, die andern aus Angst vor der Rache der Diebe. Mein Plakat wird exakt als das Gegenteil dessen verstanden, was ich damit beabsichtigte. Die Hardliner finden es klasse und wollen 100 Stück davon aufhängen, jene auf deren Rat ich viel mehr gebe, raten dringend davon ab. Ich brauch eine Weile bis mir klar wird, dass das Plakat nicht als Gesprächsangebot aufgefasst wird, sondern als Kopfgeld-Offerte. Ich bin platt. Das haut mich dermaßen aus der Spur, dass ich nicht mehr vermitteln kann, was ich eigentlich will. Herrn X, der für hart durchgreifen plädiert, hab ich schon mal erwogen wegen Kindesmißhandlung anzuzeigen - aber er beschuldigt jetzt die Zögerlichen dass sie nur so nachgiebig sind, weil es nicht ihr persönlicher Rasenmäher war. Wir lassen das mit dem Plakat und beschließen statt dessen, intensiv für die Verantwortlichen zu beten. Vielleicht ist ja noch nie für sie gebetet worden. Das wäre doch jetzt ein schöner Sinn des Ganzen. Nach dem Gottesdienst wieder lange Verhandlung mit unserem Baumeister, was man wo wie baulich verändern müsste... Er plädiert allerdings viel stärker als für bauliche Maßnahmen dafür, dass die Brüder reihum je eine Nacht in der Kirche schlafen. Er findet, das sei die bestmögliche Massnahme für die nächsten Jahre (!!!!). Nicht mit mir, denk ich nur im Stillen - aber vielleicht hat er ja recht. Dass ein junges Ehepaar einzieht findet er dagegen bedenklich. Der Gedanke an Sex im Kirchengebäude stört ihn. Ich lass durchblicken, dass ich da eigentlich kein Problem sehe, aber das war ja jetzt eigentlich nicht das Thema.
Währenddessen stehen unsere ganzen männlichen Jugendlichen giggelnd auf einem Haufen und erflehen meine Übersetzungshilfe, nur weil wir zwanzigjährigen, hellharigen, weiblichen Besuch aus Deutschland haben.
Und drei Straßen weiter wird während unserem Gespräch der Supermarkt mit vorgehaltenener Waffe überfallen. Nicht nur die Kassen, sondern auch gleich alle Kunden werden bis auf den letzten Cent ausgeraubt. Normalerweise wäre unser Baumeister auf seinem Heimweg zu diesem Zeitpunkt schon in eben jenem Super. Gut das wir so lange geredet haben! Gottes Mittel sind manchmal etwas merkwürdig!
Aber noch ist das Wochenende längst nicht ausgestanden. Nachmittags erster Geburtstag eines Enkels unserer Gemeindeglieder. Das ganze Viertel scheint sich zu Kakao und Keksen zu versammeln, mindestens 100 Luftbalons und gut halbsoviel Kindern schmücken den Garten, den eine lange Schlangenreihe von Stühlen säumt, auf die wir uns setzen und in unseren Kakao gucken. Der einjährige Jubilar wird ununterbrochen gefilmt und scheint genervt - aber lammfromm. Muss mir mal das Beruhigungsmittel verraten lassen. Die Mutter lächelt angestrengt, wann immer sie sich jemandem der Gäste zuwendet und hat den Kleinen ununterbrochen auf dem Arm. Sonst würde ja auch seine Festtagsgarderobe dreckig. Die Kinder sitzen meist auch auf den Stühlen und mampfen Kekse. Danach gibts Fotos mit der Torte: erst die Jungen, dann die Mädchen. Dann kleines Plastickspielzeug aus einem platzenden Luftbalon aufsammeln: erst die Jungen, dann die Mädchen. Dann in zwei Reihen auf das Rememberle warten: eine Reihe Jungen, eine Reihe Mädchen. Dann nach etwa 2 Stunden nach Hause gehen.
Den Mann der etwa 20-jährigen Mutter und Vater des Stammhalters hab ich die ganze Zeit nicht gesehen und bin neugierig. Später wird er mir auf der Straße vor dem Haus vorgestellt. Der Schock gibt mir den Rest. Er ist bestimmt 40.
Ich will nur noch nach Hause. Aber wo ist das? Wir fahren in unsere Wohnung. Unser Besuch aus Deutschland bringt die Kinder ins Bett. Unser Dank soll ihr nachjagen!!!
Leoni und ich fahren für zwei Stunden nach Europa. Shopping del Sol heißt das Mall. Normalerweise machen wir einen Bogen darum. Heute brauch ich diese andere Welt. Als Gegengift sozusagen. Der Gegenschock setzt schon nach wenigen Minuten ein. Wir haben uns in ein Spielzeuggeschäft verirrt und sehen dort neben all den riesigen Lego- und Playmoboxen und Püppchen - neben denen Barbies bieder und kindgerecht wirken würden - Samuraischwerter, Ninjasterne, Luftpistolen, einen Schießstand und alle möglichen Militäruniformen. Für die großen Kinder halt auch was zum Spielen. Das einzige was uns kurze Kaufüberlegungen anstellen lässt ist ein spanisches Tabuspiel. Das wäre was für unsere Jugendlichen in der Gemeinde. Aber diesen Kriegsschauplatz der Kuscheltiere müsste man eigentlich boykottieren. Wir gehen weiter und landen endlich in einer ganz kleinen, sehr netten Buchhandlung mit wunderschönen Kinder- und Bilderbüchern. Fast wie in Bammental. Ich setzt mich davor und schau Leoni durchs Schaufenster beim Stöbern zu. Fühl mich fast zu Hause. Und sehr müde.
Über den Montag (angeblich mein Ruhetag) schreib ich vielleicht ein andermal...
21.06.08
Nacht der treibenden Feuer
Gott sei Dank werden die Jugendlichen aber auch in der Stadt nicht verbrannt werden. Das machen wir heute nicht mehr miteinander. Nur Puppen werden heut Nacht hier verbrannt. Viele. Lebensgroße. Judas werden sie genannt und ähneln meist einer Person der Öffentlichkeit von der sich Leute verraten fühlen. In diesem Jahr sehen viele dem Noch-Präsidenten ähnlich. Und der widerrum ist ja angeblich ein Sympatisant der Mennoniten. Womit sich mal wieder ein Kreis fünfhundertjähriger Geschichte schließt. Schade dass in der Reformationszeit diese Tradition noch nicht so weit entwickelt war, dass man anstelle der Täufer einfach Puppen nach ihrem Bilde verbrannt hätte. Aber wer weiß, ob dann mit den Puppenfeuern nicht auch das Glaubensfeuer zu schnell erloschen wäre und ich heut garnicht hier sitzen würde, inmitten der Nacht der treibenden Feuer. Und zwar fast ohne warm zu werden.
Wenn euch der Text jetzt etwas abgedriftet erscheint, liegt das nur an den Feuern die da treiben
und treiben
und treiben
03.05.08
ausverkauf
Heute ist ein großer Tag. Wir baten unsere aussendende Gemeinde im Chaco um Spenden gebrauchter Kleider, Schuhe und anderer Sachen, um sie hier bei uns supergünstig zu verkaufen. Die Reaktion war umwerfend: Viele begeisterte Kommentare, dass sie endlich etwas konkret für die Mission tun können und 3 (!) Pickups voller Kisten und Säcke. Wir sind jetzt besser ausgestattet als ein mittlerer Gemischtwarenladen. Zum Teil funkelnagelneue Sachen. Also, die eine Seite des Deals ist begeistert.
Nachdem Leoni tagelang Zeug verpreist hat, ist heute erster Verkaufstag. Gestern Abend haben sich die ersten Gemeindegliederinnen nach der Gebetstunde in den Vorratsraum geschlichen und die besten Stücke schon mit "reserviert" Schildchen versehen. Ich bin sehr !!!! gespannt wie es weitergeht.
Die Leute sollen Dinge zu Preisen kriegen, die an ihrer Zahlungsfähigkeit Maß nehmen. Das Geld geht für die Sozialkasse der Gemeinde. Wichtigstes Projekt das wir damit nun finanzieren werden sind die ersten zwei Probemonate einer privaten Kindertagesstätte. Zuviele Kinder bleiben stundenlang allein zu hause, zu viele Mütter können nicht arbeiten obwohl sie es finanziell gesehen absolut dringend müssten. Aber um es nicht gleich mit allen bürokratischen Hürden aufzunehmen müssen wir im vertrauten Gemeindekreis anfangen und da sind wir mit 5 bis 7 Kindern zuwenig, als dass es sich gleich wirklich trägt. Also soll der Verkauf den fehlenden Zuschuss von 5 bis 7 Euro pro Woche liefern.
Nach zwei Probemonaten hoffen wir, die Tagesstätte legalisieren und damit dann vergrößern zu können. Denn abgesehen von unserer Mithilfe sollte sie sich ab 10 Kindern selber tragen und dann ist sie locker für 15 bis 20 Kinder erweiterbar. Die Infrastruktur haben wir fast vollständig, zumindest nach paraguayischem Maßstab. Und eine warme Dusche einzurichten wird sich die Gemeinde schon noch leisten können.
Nächste Woche kann ich vielleicht ein paar Fotos dazustellen...
Mein Kopf ist so voller Ideen... Manchmal wäre ich gern etwas stetiger, um mehr davon umsetzen zu können
04.12.07
Sondertheologie
Wie lehrt man vertieftes und selbständiges Hören auf Jesus, wenn ein Gemeindeglied sowieso zu allem Ja und Amen sagen wird, was der Pastor sagt?
Wie redet man über Besitz oder Gelassenheit, wenn die Hörer kaum Geld und soziale Absicherung haben, der Prediger aber - zumindestens relativ gesehen - jede Menge von beidem?
Wie geht man damit um, wenn einem alle Arten von Wunder zugetraut werden, sei es weil man halt Pastor ist oder weil man einfach zu "denen da oben" gehört?
Wie predigt man in einer Sprache die für Prediger und Hörer Zweitsprache ist?
Wie arbeitet man mit Kindern, bei denen eine christliche Prägung zwar ansatzweise vorhanden ist, aber dafür meist in theologisch sehr fragwürdiger Form?
Ein Gemeindeglied, das fürs Putzen der Kirche bezahlt wird, hat mich Sonntag vor einer Woche gefragt, ob sie Putzmittel kaufen könne. Die seien nämlich fast verbraucht. Kein Problem, sagte ich, natürlich, sagte ich, und fühlte mich gut, so schnell wieder eine der mir etwas unliebsamen Verwaltungsaufgaben erledigt zu haben! Sieben Tage später spricht mich die Schwester wieder an, wie dringend sie nun schon Putzmittel bräuchte, sowie auch Klopapier. Und ich? Ich brauche immer noch mindestens 30 Sekunden und einiges Stirnrunzeln bis ich erleuchtet werde. Ich werde erst Geld aus der Gemeindekasse vorschießen müssen, sonst hat sie nichts womit bezahlen. Meine Annahme, ich würde ihr hinterher ersetzen was sie ausgegeben hat, war also, nun ja, nicht sondertheologisch durchdacht...
19.11.07
So soll sie aussehen...
Wenn dann Brasilien noch sein zweites Unentschieden (1:1) in Lima holt, wo es sowieso kaum jemandem gelingt als Sieger wegzufahren, dann ist (fast) alles gut.
Nach den Ölfunden vor zwei Wochen in Brasilien wollten sich hier schon einige zur brasilianischen Provinz erklären. Nach solchen Fußballergebnissen nicht mehr!!
07.11.07
bin wieder hier
Auf den Bildern sieht man, in welch idylischem Viertel wir wohnen. Fast wie im Film. Nun ja, wie im Film fühlt man sich schon manchmal. Ob im richtigen oder falschen muss sich noch zeigen.
Aber es geht uns gut. Nicht immer, nicht mit allem, aber gut.
Die meisten Möbel haben wir schon aufgebaut und fast alle Kisten ausgepackt - außer den etwa 40 Bananenkartons mit Büchern. Die Jungs haben mit ihren Spielsachen Wiedersehen gefeiert, vor allem Joel mit seinen Playmobil. Er baut die tollsten Szenen auf, und wehe jemand verschiebt etwas! Martin ist manchmal die Pipi Langstrumpf, manchmal ein Schäferhund aus "Ein Schweinchen namens Babe" oder er verwandelt sich in Harry Bollwanz aus "Lauras Stern" - und wer ihn dann beim falschen Namen nennt, der riskiert wutentbranntes Geschrei!
Nicht nur die Gemeinde ist sehr jung, auch der Altersdurchschnitt in der Gemeinde ist sehr niedrig (so wie in der ganzen paraguayschen Gesellschaft). Es gibt kaum ältere Leute, dafür aber jede Menge Kinder und Jugendliche. Wenn sich fünf Frauen zum gemeinsamen Singen treffen, sind auch mindestens zehn Kinder dabei.
Eher nach falschem Film kam es uns vor, als kürzlich an einem Mittag nacheinander Telefon, Wasser und Strom ausfielen. An unsere schon fest installierte Siesta war bei den Temperaturen ohne Ventilator nicht zu denken... Da wäre ich am liebsten ausgerissen. Aber inzwischen wissen wir, dass sowas meist bald wieder vorübergeht. Wenn ich hier dann andere Leute sehe die ohne fließend Wasser auskommen... Ein Handy hat dafür (fast) jeder.
20.04.07
Das Blut der Märtyrer
Auf den Philipinen wurden gerade sieben Christen von der Abu Sayyaf enthauptet. Oft machen mich Nachrichten nur sprachlos, vor allem wenn ich sie nebeneinander stelle. Aber Opfer UND Täter brauchen unsere Gebete, Märtyrer (Zeugen und sogar Missionare) und ihre Angehörigen brauchen Unterstützung. Und wir Christen in Deutschland brauchen dringend jeder muslimische Freunde!!! Damit es nicht zum "Kampf der Kulturen" kommt! Damit Gnade und Barmherzigkeit von einem Prinzip Gottes zur Wirklichkeit werden. Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche. Gilt wohl auch noch heute.
20.03.07
Für den kleinen Durst zwischendurch
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