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08.06.23

Bescheidene Wünsche

Dass kein Geld zum Essen morgen fehlt,
dass die Immobilienfirma nicht
uns vertreibt um Schulden ungezählt.
Dass bis Montag noch reicht Holz und Licht.
Dass der Sturm und Regen schnell vergeht,
und die Sonne trocknet was ist nass.
Dass mein Kind den Drogen widersteht.
Dass aus der Verzweiflung nicht wird Hass.
Dass der Mann mich nicht zu oft hart schlägt,
dass mein Sohn nicht lang im Knast mehr bleibt.
Dass zur Tochter noch kein Mann sich legt,
nicht vor sechzehn ihr ein Kind verschreibt.
Dass die Henne heute legt ein Ei,
fremde Kühe fressen nicht mein Korn.
Dass wir weiter alle bleiben frei.
Nächstes Jahr beginnen wir von vorn.

22.02.12

Morgen

Nächstes Jahr soll hier ein neuer Präsident gewählt werden. Der Kampf um den Chefsessel hat längst begonnen. Unter anderem durch Landbesetzungen, Streiks, soziale Unruhen, aufstachelnde verbale Gewalt, Habgier auf der einen Seite, Neid auf der anderen... Da werden ganz alte Texte wieder aktuell, seinerzeit hier erschienen.


Tapfer singt die alten Lieder
gegen neuer Zeiten Hass,
faltet Hände fest dawider,
trocknet Augen, tränennass.

Blutig graut ein toter Morgen
bleiern sinkt der alte Tag
Werft von euch Macht, Geld und Sorgen
aufersteh wer schlafend lag!

Hebt die Häupter, die Erlösung
kommt in tiefster Mitternacht,
und dann kommt die letzte Lesung:
Wer wo wen ums Recht gebracht.

Nicht die Panzer unsrer Herzen
werden uns den Sieg ersteh'n.
Wer den Feind liebt, wird trotz Schmerzen
durch den Tod zum Leben geh'n.

Der durch uns am Kreuz gestorben,
starb für seiner Mörder Last,
hat auch sie mit Lieb umworben,
lädt auch uns zum Fest als Gast.

29.06.10

Allein

Wir haben neue Kinder in der Kindertagesstätte aufgenommen und begegnen neuen Schicksalen.
Da sind die beiden Mädchen, sechs und neun Jahre alt, deren Vater Alkoholiker ist. Die Mutter arbeitet sechs Tage die Woche, 11 Stunden pro Tag. Ihr Mann hatte vor einiger Zeit einen Unfall, weshalb sie haufenweise Schulden bei ihrer Apotheke hat. Der Mann ist wieder soweit genesen und beide arbeiten wieder. Nun wurde ihm im Bus sein Geldbeutel geklaut. (Er hat uns die polizeiliche Anzeige vorgelegt.) Daraufhin konnten sie auch ihre Schulden bei der Kita nicht bezahlen... Hinzu kommen Eheprobleme, Beleidigungen, Erniedrigungen. Der Vater scheint den Mädchen gegenüber sehr indifferent, die Mutter hat aber eine gute Beziehung zu ihnen, trotz der wenigen Zeit, die sie mit ihnen verbringen kann.

Eine ganz spezielle Aufgabe wurde uns mit Jacob (ein Jahr alt) in die Kita gebracht. Seine Mutter ist angeblich 21 Jahre alt, hat aber noch einen älteren Sohn von drei Jahren, der hat aber einen anderen Vater. Jacobs erster Geburtstag wurde in der Kita gefeiert. (Keine Ahnung wo sich die junge Mutter das Geld für die Dekoration, die Torte und den Kakao zusammengebettelt hatte.) Es ist üblich, dass zum ersten Geburtstag eines Kindes sämtliche Verwandten und Freunde der Familie mitfeiern. Nicht also bei Jacob. Die Oma tauchte zwar mit zwei drei zwielichtigen Gestalten auf. Weigerte sich aber, mit ihrem Enkel überhaupt Kontakt aufzunehmen, geschweigedenn fotografiert zu werden. (Das ist eigentlich obligatorisch: Möglichst jeder lässt sich mit dem Jubilar fotografieren.) Anstatt der Verwandschaft, waren wir Kita-Tanten mit Jacob auf dem Foto: Rossana, Elva und ich. Dabei kannten wir den Kleinen erst seit drei Wochen. Da wurde uns klar: WIR sind Jacobs Familie. Seine Oma liegt mit seiner Mutter im Streit und will von ihm nichts wissen. Sein Vater ist ein verheirateter Mann, der auch nicht im entferntesten daran denkt, die Folgen seines außerehelichen Abenteuers zu finanzieren. Jacobs Mama hat keinen Beruf und keine Freunde auf die sie sich verlassen könnte, nur wechselnde Liebhaber und einen Teilzeit-Job als Haushaltshilfe. Ihr Lohn reicht gerade mal für etwas zu Essen und vier Windeln pro Tag. Und vergangenes Wochenende hatte Jacob eine ausgewachsene Magen-Darm-Grippe... In unserer Kita hat Jacobs Mama inzwischen Schulden von über 40 Euro angehäuft. Das ist viel wenn man bedenkt, dass sie in der Woche nur etwa 15 Euro verdient. Sprich, wir brauchen nicht zu hoffen, dass sie dieses Geld je bezahlen kann. Die junge Frau liebt "ihren Dicken" zwar, denkt aber trozdem lieber an ihr eigenes Vergnügen. Ob das an ihrer trostlosen Situation liegt? Oder an ihrer eigenen mangelhaften Erziehung?

25.06.10

pädagogik der unterdrückten

Liebe Welt,
ich möchte einfach mal mitteilen, was hier in den Schulen so los ist. Die Pädagogik der Unterdrückten gibt es tatsächlich immernoch. Ich weiß zwar nicht, wer die Unterdrücker sind, aber irgendetwas, irgendjemand hat ein Interesse daran, einen gewissen Prozentsatz Analphabeten in diesem Land beizubehalten, sowie die Schüler möglichst vor selbständigem Denken zu bewahren. Ich meine, ein sogenanntes Entwicklungsland wie Paraguay muss natürlich gewisse "Bildungsreformen" durchführen, um an internationale Kredite zu kommen... Und das ist, was dabei heraus kommt:
Ich kenne hier kein einziges Kind, das am Ende der ersten Klasse lesen konnte. Höchstens ein paar Supergescheite von den Privatschulen, die sozusagen trotz des Unterrichts Lesen gelernt haben. Dabei wird schon in der Vorschule mit Zahlen und Buchstaben herumgemacht und die Vorschule ist Pflicht. Nach den Vokalen lernen die Kinder nämlich die Konsonanten bei ihrem Namen zu nennen: "Be","Ce","De" usw. Bei "Em" und "Es" hört sich das auf spanisch dann so an: "Eme","Ese". Die Kinder der öffentlichen Schulen lernen NICHT, wie die einzelnen Buchstaben in einem gesprochenen Wort klingen müssen. Das Zusammenschleifen der Buchstaben hört sich dann folgendermaßen an: "Ese-a: sa, pe-o: po.- Sa-po." (Frosch) Kein Wunder, dass viele genau in diesem Prozess des Lesenlernens stecken bleiben. Sie kennen zwar alle Buchstaben, sind aber spätestens bei Wörtern mit mehr als zwei Silben restlos überfordert. Selbst wenn die Schülerinnen und Schüler diese Phase irgendwann überwinden, verlassen viele die Schule ohne sinnentnehmend lesen zu können.
Kürzlich habe ich eine meiner kleinen Freundinnen aus der KiTa abgefragt. Dritte Klasse. Sie hatte sich auf eine Klassenarbeit im Fach Gesundheitserziehung vorbereitet. Die Fragen und Antworten standen fein säuberlich in ihrem Heft. Frage: Was ist Milch? Antwort: Milch ist eine weiße Flüssigkeit die man von den Säugetieren erhält. Aha! Da habe ich doch gleich ganz dumm weiter gefragt: "Was sind denn Säugetiere?" Antwort: "Weiß ich nicht." Nachdem ich es ihr erklärt habe, zählt sie mir ohne weiteres verschiedene Tiere auf, die ihre Jungen mit Milch ernähren und weiß natürlich auch, welches Tier uns Menschen mit Milch versorgt. Warum müssen Drittklässler lernen, was sie bereits als Zweijährige wussten?
Joel und Martin gehen in eine teure Privatschule. Erste und zweite Klasse. Vor einigen Wochen hatten sie in der Schule das Thema Elektrizität durchgenommen. Eine ganze Stunde lang - oder war es eine Doppelstunde? Folgendes Sprüchlein stand in ihrem Heft: "Elektrizität ist eine Energie die durch die Anhäufung von Protonen und Elektonen verursacht wird." Alles klar? Auf Nachfrage wussten sie immerhin noch, dass die Protonen positive und die Elektronen negative Ladung haben. Das Sprüchlein haben sie dann für die Klassenarbeit auswendig gelernt... Nächstes Jahr lernen sie dann ein weiteres Sprüchlein, das die Thematik etwas erweitert. Und übernächstes Jahr noch eins und danach noch eins usw. usw.
Und Paulo Freire dreht sich im Grab...

16.06.10

Hoffentlich bleibt sie so

die Reihenfolge in der Tabelle der Gruppe F. Ich finde, wir hätten es verdient, endlich mal übers Achtelfinale hinauszukommen. Und sei es nur um mal der unheiligen paraguayischen Trinität aus "Ich kann nicht - Ich hab nicht - Ich bin nicht" etwas entgegenhalten zu können. Würde die Albiroja das Selbstbewusstsein und die Willensstärke zeigen um weiterzukommen, könnte das bei der hiesigen Fußballbegeisterung durchaus einen Nachahme-Effekt auslösen... Hoffe ich zumindest...

Was mich stört sind die ganzen Kommentare, die sich immer nur enttäuscht von Italiens Schwäche zeigen und nie auf die Idee kommen, dass Italiens Schwierigkeiten auch etwas mit dem Spiel der Paraguayer zu tun hatten. Sehr gefreut hat mich daher eine FIFA-Spielanalyse "Schüler und Lehrmeister auf Augenhöhe" vom Montag 14. Juni 2010. Warum auch immer, ist selbst diese positive Stimme scheinbar entfernt worden, obwohl der Link noch auf der Webseite ist. Und dabei hängen eh schon viele Paraguayer der Verschwörungstheorie an, dass es die italienische Mafia war die Salvador Cabanas vor einigen Monaten in den Kopf geschossen hat.

Das die Italiener insgesamt besser gespielt haben, will ich garnicht bestreiten. Aber nicht nur amtierende Weltmeister haben Startschwierigkeiten. Der Respekt vor Italien schien unsere Jungs doch auch deutlich zu bremsen.

16.04.10

So schön leben wir!!!

Meine Schwiegermutter hat uns besucht und ein paar Fotos gemacht...



Tolle Küche!

Abenteuerlicher Fußweg zur Kirche...



und die entsprechende Autobrücke.



Ana und ihre Bande auf dem Spielplatz in der Kirche.

13.01.10

Ihr Glaube verbietet, Geschenke von Entführern anzunehmen

"Paraguayische Indianer werden der Welt zum Vorbild der Integrität" titelte heute ABC, die bedeutenste paraguayische Tageszeitung. Eine Gruppe der "Mbya-Guaranies" haben die Annahme von 6 geschlachteten Rindern verweigert, die ihnen die pseudolinken Möchtegern-Rebellen des "Ejercito Popular Paraguayo" (EPP) zugedacht hatten. Heute vor 90 Tagen hat das EPP den Viehzüchter Fidel Zavala entführt, dessen Estancia nur 15 km von dieser Indianersiedlung entfernt liegt. In den Verhandlungen über die Freilassung von Fidel, hatte EPP der Familie jetzt befohlen, 30 geschlachtete Rinder an 3 indianische Gemeinschaften und im Armenviertel von Asunción zum verteilen, als "Zuvorkommenheit des EPP". An drei Stellen wurden tausende kg Fleisch verteilt, doch die Gruppe in Vy’a Renda hat den Empfang abgelehnt. Der Häuptling Isidro Fernández gab zur Begründung an: "Wir sind nicht fähig, das Leiden seiner (Fidels) Familie auszunutzen." Er erwähnte zwar auch die Angst, zu nah mit der EPP in Verbindung gebracht zu werden. Aber wie er weiter ausführte, seien sie schon gewohnt in Armut zu leben und Hunger zu ertragen und "ihr Glaube erlaube ihnen nicht die "Wohltätigkeit" der Entführer zu akzeptieren".

Ein Glaube der es nicht erlaubt, dass man das Leid anderer Leute zu seinem eigenen Vorteil nutzt. Hätten wir in diesem Land mehr Leute mit solchem Glauben, wäre Paraguay nicht immer einer der Spitzenreiter des weltweiten Korruptionsindex.
Und gut, dass eine Viehzüchtervereinigung dieser Gemeinschaft jetzt 6 Rinder als Anerkennung schenken will. Bei ABC auch Bilder vom Häuptling und von der Verteilung von 2000 kg Fleisch an anderer Stelle.

08.01.10

Entschuldigung,

an alle treuen Leser, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Seit Mitte November hatte ich nur äußerst seltenen Internetzugang. Die paraguayische staatliche Telefonbehörde hat auf meine wiederholten Beschwerden überhaupt nicht reagiert. Schließlich hab ich dann bei ihnen gekündigt und jetzt ein mobiles Modem und damit Zugang übers Handynetz. Ich bin zwar absolut kein Fan des angeblich reichsten Menschen der Welt der Besitzer von TIGO und vielen andern Handynetzen in Südamerika ist, aber wenn es der Staat einfach nicht hinkriegt... Das ist wohl der real existierende Kapitalismus... Auf jeden Fall einen lieben Neujahrsgruß und Segenswünsche an alle Leser die immer noch vorbeikommen. In einigen Tagen gibts wieder mehr Infos zu unserem Ergehen...

26.05.09

Woher die Angst?

Es begann so gut. Ein junger Mann kommt ans Tor und fragt, ob er den Biomüll vor unserem Hof wegräumen darf. Er will 15.000 Gs. dafür, rund 2 Euro. Kein Problem. Man sieht ihm seine Armut deutlich an. Händeweise!! trägt er den großen Haufen einen halben Block weiter, wo irgendwann alles verbrandt werden soll. Es beginnt zu regnen und er fragt nach ein wenig Essen. Da unser Mittag noch nicht fertig ist und er aber nicht warten will, bekommt er nur Sandwich, etwas Obst, sowie heißen Cocido (Matetee mit Milch) und wir bitten ihn, dazu unter unserem großen Dach Platz zu nehmen. Als es danach immer noch regnet, sage ich ihm, dass er an einem andern Tag wiederkommen kann und weitermachen. Das Geld hab ich ihm schon gegeben. Wir können uns zwar nur schwer verständigen, da er fast nur Guarani spricht, aber es geht.
Heute ist er wieder da und macht weiter. Finde ich klasse!!! Plötzlich klattscht er wieder (hiesiger Klingelersatz), fängt an zu rufen und dann zu schreien. Ich laufe hin. Ein großer Polizeipickup steht vor dem Haus. Unser Arbeiter wäre vor Panik fast über den Zaun zu uns hereingeklettert - aber das wäre ja noch verdächtiger.
Ein Polizist fragt aus dem Auto, ob das unser Angestellter wäre. Ich bin erst ziemlich iritiert, weil ich unser Verhältnis nicht so definitiv bezeichnen würde, bejahe dann aber. Dann ist ja alles in Ordnung - die Polizei fährt weiter. Unser Arbeiter beruhigt sich nur langsam. Er sagt, sie haben ihm Prügel angedroht. Wahrscheinlich war sein Aufenthalt hier verdächtig!? Dabei arbeitete er auf der Straße!! Als er fertig ist und geht, bedankt er sich nochmal, dass ich ihn vor der Polizei beschützt habe! Ich bin ziemlich sprachlos... Ist das der Preis dafür, dass unser Viertel so ruhig und sicher ist....

Pastoren sind auch nur Cowboys - irgendwie

Am 15. Mai feierten wir unsere Unabhängigkeit von Spanien. Als Familie nutzten wir das lange Wochenende um meine Eltern im Chaco, 450 km entfernt, zu besuchen. Genaugenommen hatten wir so die Gelegenheit, auf der Estancia meines Vater an der Markierung der Rinder teilzunehmen, die im letzten Jahr geboren wurden.
Die Brandzeichen setzen ist zwar nicht jedermanns Sache, aber ehrlich gesagt hat es mir Spaß gemacht. Es war aber auch das erstemal, dass ich selber Hand anlegte. Immerhin gehören uns dank einer Erbschaftsvorauszahlung meines Vaters inzwischen von jedem Rind 10 Prozent...

Ich fürchte zwar, dass einige Vegetarier und Radikalrevoluzer aufgrund solcher Fotos sich jetzt endgültig von diesem Blog abwenden, aber warum soll ich meine "fleichsfressende Kapitalistenseite" verschweigen. Die andern Arbeiter frozelten ausgiebig, wo denn der Unterschied wäre zwischen meiner sonstigen Arbeit als "Pastor" und der eines Rinderhirten. Nicht so groß wie es auf den Fotos scheint, würde ich sagen. Aber ich arbeite doch langfristig lieber mit Menschen statt mit Kühen. Und etwas gewaltfreier... (grins!)

Wer aber bisher geglaubt hat, unser Leben hier wäre reiner Altruismus oder uns gar als "Speerspitze des Gutmenschentums" bezeichnete, den muss ich jetzt also enttäuschen.

Das ist für mich heimatliche Landschaft


Auf der Estancia angekommen, begutachtet man sich gegenseitig




Das Cowgirl


und die Cowboys




So sieht das also aus, wenn man jemandem sein Stempel aufdrückt.


Auch unser deutscher Austauschschüler wird markiert. Von ihm sind übrigens all die andern Fotos dieses Posts.


Das Ergebnis:


Danach gibt es für Martin Reitunterricht auf seinem Cousin

19.05.09

Und mehr Fotos

Kürzlich durfte ich nicht nur erneut zu einem Einsatzort fliegen, sondern etwa eine halbe Stunde lang das Flugzeug auch noch selbst steuern. Könnt ihr euch vorstellen, was für ein Spaß? In der Realität ist es aber noch deutlich wackliger als im PC-Simulator. Selbst den Landeanflug durfte ich machen, wobei mein Pilot aber zum Glück die Hände auch ständig am Steuer hatte... Wo hätte man das in Deutschland, dass man auf dem Weg zu einer Konfliktbearbeitung auch noch gratis Flugstunden bekommt?

Stadt Tobati, nordöstlich von Asunción

Überflug über den bekannten Lago Ypacaray

Weites Paraguay


Und hier noch Bilder von unserem Osterurlaub nach Laguna Blanca. Fast identische Bilder findet man über Google massenhaft unter "Laguna Blanca Paraguay".

27.04.09

Unglaublich

was da im 4. Abschnitt dieses Artikels steht. Zwischen 1992 und 2002 seien 7 von 10 Geburten die in Paraguay eingeschrieben wurden, von Frauen ohne Ehemann gemeldet worden. Hinzu kommen angeblich in diesen 10 Jahren 608.000 Geburten die garnicht erst registriert wurden.

20.04.09

Habemus papá!

Da hat wohl einer was falsch verstanden, als man ihm vorschlug Landesvater zu werden. Dass Lugo vor einer Woche (unter starkem Druck) zugab, ein zweijähriges Kind zu haben, dass heute eine zweite Vaterschaftsklage gegen ihn angekündigt wurde, dass mindestens ein Kind noch vom katholischen Bischof Lugo gezeugt wurde, dass seine Beziehung zur Mutter allem Anschein nach bis in ihr 16 Lebensjahr zurückging und sie angeblich bei ihm zur Firmung war, all das erschüttert vor allem die aufrechten Katholiken in Paraguay. Dass er erst im allerspätmöglichsten Moment die Vaterschaft zugibt und dass er seinen Eid Gott gegenüber scheinbar des öffteren gebrochen hat, finden auch jene bedenkenswert die nichts vom Zölibat halten und sich nur besorgt fragen, wie es um die Tranzparenz dieses Mannes und um seine Haltung zu gegebenen Versprechen steht. Zu einer paraguayischen Version der Lewinsky-Affäre wird es nie kommen - dazu hebt dieses Zeichen von Virilität das Ansehen des Präsidenten bei zu Vielen. Das Einige seiner Gefolgsleute sein Geständniss nach zwei Jahren mit großem Heldenmut in Verbindung brachten, ist wohl auch nur aus sehr machistischer Perspektive nachvollziebar und ansonsten geradezu peinlich. Fast so peinliche wie es für die Roten ist, dass sie diese Kinder nicht schon vor den Wahlen gefunden hatten. Der von den Konservativen befürchtete Linksruck ist dennoch endgültig in allerweiteste Ferne gerückt, denn der Präsident hat sich in seinem Krisenmanagement als ziemlich planlos, instabil, erpressbar und opportunistisch geoutet. Vor einer Woche kündigt er als schwaches Ablenkungsmanöver Änderungen des Kabinetts für diesen Montag an. Eine Woche Chaos der Regenmacher! Und selbst die engsten Vertrauten scheinen manchmal nicht zu wissen, was der Präsident beim nächsten Auftritt bekanntgeben wird.

Viel schlimmer als all dies sind die nicht endenden Gerüchte über Verträge die Lugo und Chavez einen Tag nach Lugos Amtsantritt im August 2008 unterschrieben haben. Diese Verträge - oder Projekte - sind merkwürdigerweise immer noch weder in Gänze öffentlich zugänglich noch dem Kongress vorgelegt. Nun scheint es, als sei der Zusammenschluss der staatlichen Erdöl- und Brennstoffbehörde PETROPAR mit der venezolanischen Schwester beschlossen worden. Lugo wurde nicht zuletzt gewählt, weil er versprach den Itaipu-Vertrag mit Brasilien wieder aufzuschnüren, der Paraguays Soverenität in Sachen Elektrizität seit Jahrzehnten stark einschränkt. Sollte er jetzt die Brennstoffversorgung einer ähnlichen zweistaatlichen Firma überantworten, hätte kein Mensch mehr dafür Verständniss - egal ob der andere Vertragspartner jetzt am linken oder rechten Ende der politischen Skala angesiedelt ist. Neuerdings ist sogar von venezloanischem Militär die Rede, dass den Besitz solcher zweistaatlichen Institution im Zweifelsfalle sichern könne. Unser Volk wird sich vielleicht weiter von jedem starken (mannbaren) Paraguayer jedweder politischen Farbrichtung gelassen ausnehmen und manipulieren lassen, genauso wie es sehr "intolerant" auf jede Einmischung von Außen reagieren kann. Da ist es gleich, ob Brasilien sein Militär an den paraguayischen Grenzen komische unabgesprochene Übungen durchführen läßt, wie z.B. die Sicherung eines größeren Wasserkraftwerkes, oder ob Venezuela Soldaten entsenden sollte um die paraguayische Raffinerie zu bewachen. An dem Punkt können Paraguayer recht empfindlich sein. Zum Glück ist Paraguays Militär eher als irgend etwas anderes, eine Institution zur feiertäglichen Dekoration des Nationalstolzes mit stark musealem Charakter. Sonst müsste man sich ja vielleicht noch Sorgen machen...

Wenn diese Gerüchte nicht stimmen, so kann man sich dennoch nur wundern, warum nicht die Offenlegung der Dokumente all solchen Verschwörungstheorien ein Ende bereitet.

06.02.09

Schönes Paraguay

Wir haben uns eine Woche Urlaub gegönnt und sind ein wenig im Innland herumgefahren. Dabei konnten wir etwas von der wilden Schönheit dieses Landes kennenlernen.


Im "Paque Nacional de Ybycuí"



Gut versteckt, aber unglaublich imposant: Der "Salto Cristal" bei La Colmena.



Berge und üppig grüne Täler...



...Mandioca-Felder, Palmen und schroffe Felsen...



...und Bäche wie dieser bei "Chololó"

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