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24.02.12

Dem Magus im Norden

Satte Lust, gepflegter Schmerz
brachten mich zum Kreuz des
Südens, weiter, himmelwärts,
bis ich Löwe Heu ess.

Wer nichts fühlen kann berührt,
bis durchdringt Erkenntnis
die zur letzten Wahrheit führt
Leben, Wort, Verständnis.

Samen sinkt in stummes Land
schreibt Natur, Geschichte,
Buch der Bücher zeugt die Hand -
Ursprung der Gesichte.

19.11.10

Johannes 14,2-3

Es ist 15.30 Uhr. Seit 6.00 Uhr bin ich in der Kita. Aufschließen, die Kinder empfangen, Frühstück machen, die Vormittagsbeschäftigung überwachen, Babys wickeln, ihnen ihren Joghurt und ihre Bananen servieren, Mittagessen kochen, die Schulkinder empfangen und die Nachmittagsschüler zum Umziehen schicken, mit allen zu Mittag essen, Kinder schlafen legen, bzw. den Abwasch erledigen, die Bring- und Abholzeiten der Kinder notieren, unzählige Nasen putzen und Schuhe binden. Aber jetzt ist der Schichtwechsel vorbei, ich bin fertig für heute. Nein, heute noch nicht. Ich muss noch die Rechnungen für die einzelnen Kinder machen, damit ihre Mütter wissen wieviel sie bezahlen müssen diesen Monat. Damit nicht ständig eins der Kinder in meine Papiere greift, setze ich mich in den Gottesdienstraum. Ein Büro haben wir leider nicht. Ich vertiefe mich in die Zahlen und Tabellen. Diese Arbeit macht keinen Spaß, aber einer muss es ja tun. Das von draußen hereindringende Kindergeschrei vermischt sich mit dem Summen des Ventilators, bildet eine Geräuschkulisse, die mich einlullt. Plötzlich bin ich wieder ein Kind, das bei seinen Schulaufgaben sitzt, während es darauf wartet von seinen Eltern abgeholt zu werden. Ein sich näherndes Motorengeräusch auf der Straße treibt mich unwillkürlich zur Eile. Schnell noch die letzte Rechnung machen, die Listen und den Ordner wieder aufräumen, dann kann ich los. "Ich komme gleich, Papa!" Die Verantwortungen abgeben und endlich die Seele baumeln lassen, das wäre schön. Da kehrt mein Gefühl für Raum und Zeit zurück. Ich bin hier. Und heute holt mich niemand ab. Aber mir wird bewusst, dass eines Tages mein Papa im Himmel kommen wird, um mich abzuholen. Und dann werde ich keine Rechnungen mehr beenden müssen und keine Ordner mehr verstauen wollen. Dann stehe ich auf, lasse alles stehen und liegen, lasse alles hinter mir und fahre mit ihm nach Hause. Danach sehne ich mich, darauf freue ich mich.
Aber noch ist sein Sohn damit beschäftigt zu putzen, die Betten zu beziehen und das Essen vorzubereiten. Danke Jesus!

13.01.09

Nur für Lachwillige

Da ich keine Zeit hab mir über das klar zu werden was ich selber schreiben würde, hier ein Fundstück...
Hab neben vielen alten und einigen "naja..." auch einige richtig geniale Mennonitenwitze gefunden. Wer auch die andern sehen will muss in Facebook der Gruppe: "Kiss Me, I´m Mennonite" beitreten.

- Why don't Mennonite go to the Orchestra?
They heard that they have sax and violins.

- What's a Mennonite husband's idea of foreplay?
"Mumptya, shlappst?"

- If two mennonites get divorced, are they still cousins?

- What do you call a Mennonite meal time?
Menno pause

- What do you get when you cross an Mennonite and a japanese car?
A Toyoder

- Why do Mennonites fly economy class on airplanes?
Because they're not allowed in the baggage compartment

- Why do Mennonites have black & white TVs?
To see the world the way it really is.

07.12.08

luschtisch

Was man alles findet, wenn man nicht arbeiten will...
Wiensen in Wikipedia

12.11.08

Heiliger Türke

Ich will ein Gemeindeglied besuchen. Von der Tochter erfahre ich, dass die Frau bei der Oma ist, ein paar Häuser weiter. Die Oma kennt mich nicht. Ich geh trotzdem hin und frag nach Frau soundso. Das gebeugte, weißharige Frauchen ist sehr freundlich und sucht im Haus nach ihrer Tochter, kann sie aber nicht finden. Ich hab mich als Pastor ihrer Tochter vorgestellt. Oma sagt, sie würde sich gern mal mit mir unterhalten. Auf mein Angebot hin will sie aber aus irgend einem unerfindlichen Grund nicht jetzt gleich reden...
Drei Tage später erzählt mir jemand die andere Seite der Geschichte. Unser Gemeindeglied hat sich später bei ihrer alten Mutter beschwert, warum sie nicht gerufen wurde. Daraufhin die schlaue Oma: "Oh, ich dachte er ist dein Türke!" (Wörtlich übersetzt). Zur Erklärung: Türken werden die Kassierer genannt, die von Haus zu Haus fahren und alte Rechnungen und Schulden eintreiben. Kein Mensch kennt hier einen echten Türken persönlich.

Gestern klingelte das Telefon. Ich sag "Hallo?" und werde daraufhin gefragt: "Heiliger Lazarus?" Ich vermute das es sich um den Namen eines Hospitals handelt und verneine. Hätte ich doch nur gesagt: "Nein, heiliger Robert." Aber sowas fällt einem immer erst im Nachhinein ein.

21.06.08

Nacht der treibenden Feuer

Inmitten der Nacht der treibenden Feuer sitze ich hier und werde kaum warm. 9 Grad sind klirrend kalt, wenn es in den meisten Häusern beinah so kalt ist wie unter freiem Himmel. Wir hatten einen Jugendgottesdienst geplant. Als 10 kleine Zitterleins saßen wir zusammen und versuchten uns mit Cocido zu wärmen. Da half nur noch - na was wohl - Fußball spielen. Nachts. Danach war mir warm. Die andern Jugendlichen wollten zu einem Konzert und konnten daher nicht kommen. San Juan dice que no! Sankt Johann hat nein gesagt. Obwohl um das herauszufinden wohl keiner von ihnen Barfuß über glühende Kohlen ging, wie man das hier eigentlich in dieser Nacht macht. Hätten sie statt San Juan nicht zu konsultieren wenigstens mich fragen sollen. Da hätte ich ihnen gern die Kohlen unterm Hintern zum glühen gebracht - dafür unseren mühsam organisierten Jugendgottesdienst im Stich zu lassen. San Pastor dice que no!

Gott sei Dank werden die Jugendlichen aber auch in der Stadt nicht verbrannt werden. Das machen wir heute nicht mehr miteinander. Nur Puppen werden heut Nacht hier verbrannt. Viele. Lebensgroße. Judas werden sie genannt und ähneln meist einer Person der Öffentlichkeit von der sich Leute verraten fühlen. In diesem Jahr sehen viele dem Noch-Präsidenten ähnlich. Und der widerrum ist ja angeblich ein Sympatisant der Mennoniten. Womit sich mal wieder ein Kreis fünfhundertjähriger Geschichte schließt. Schade dass in der Reformationszeit diese Tradition noch nicht so weit entwickelt war, dass man anstelle der Täufer einfach Puppen nach ihrem Bilde verbrannt hätte. Aber wer weiß, ob dann mit den Puppenfeuern nicht auch das Glaubensfeuer zu schnell erloschen wäre und ich heut garnicht hier sitzen würde, inmitten der Nacht der treibenden Feuer. Und zwar fast ohne warm zu werden.

Wenn euch der Text jetzt etwas abgedriftet erscheint, liegt das nur an den Feuern die da treiben

und treiben

und treiben

07.06.07

Tirol gemischt

Schöne Ferien in Tirol, im Alpbachtal gehabt! Trotz oder gerade wegen gemischter Wetterlage. Wenn man plötzlich viel Zeit für die Kinder hat, fragt man sich manchmal, wo denn nun die erhofte Erholung bleibt. Aber am Ende dann doch die Erkenntnis: Ich habe mich erholt, sogar prächtig. Schon merkwürdig das! Die Höhepunkte aus Sicht der Kinder waren der verregnete Tag an dem wir einen von zu Hause mitgebrachten Dinofilm geschaut haben, das Hallenbad gegenüber, das Silberbergwerk und die Bergbahnfahrten. In dieser Reihenfolge! Die interessante lange Wanderung wird in Erzählungen kaum erwähnt.

Einen Tag hab ich versucht in einem Haiku zusammenzufassen:

mit Kind heißt gehen
über Steinchen stolpern und
auf Berge fliegen

Das Essen im Restaurant des Hallenbades war erstklassig. Das pflichtbewußte Wiener Schnitzel in einer Jausenstation, wo angeblich schon Kaiser Franz und seine Sissi genächtigt hatten, war dagegen mehr Pflicht als bewußt. Na Bravo!

17.04.07

neue Haut

Da ich ja keine Firmenidentität zu wahren habe, erlaubte ich mir, die Vorlage für meinen Blog zu ändern. Und ich weiß auch noch nicht, wie lange ich jetzt bei dieser bleibe. Bei dieser finde ich besser als bei der vorigen, dass an mehr Stellen Leerzeilen und Abstände eingefügt sind und die verschiedenen Kategorien von Text (Überschrift, Inhalt, Labels, etz.) besser unterscheidbar sind. Ob mir die sichtbaren Rahmen so gefallen, bin ich mir auch noch nicht sicher - mal sehen.

08.12.06

paramilitärische betrachtungen zwischen karlsruhe und basel

eigentlich wollte ich ein bild in mein profil einfügen und hab mich viel, viel zu lange und fruchtlos mit dem mangel an kombatibiltät (schön militärisch das fremdwort) zwischen hello und blogger herumgeschlagen. dafür jetzt wieder einige gehirnblähungen, die ich während einer ice-fahrt von karlsruhe nach basel verschriftlichen musste.

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Dort liegt er wieder, der Schwarzwald. Dabei verdient er von hier aus diesen Namen überhaupt nicht. Grauwald eher, durch den Smog. Das wird doch kein Nebel sein, um halb drei Mittags! Nein, da sind eher die kleinen Herbstblattfeuer in den badischen Hinterhöfe schuld, in denen kein selbstgedrucktes Schild „Räuchern verboten“ verkündet. Wir sind ja schließlich nicht in Schwaben.

Oder Beigewald. Stimmt aber nur im Herbst, wenn gelbe Weinreihen die Vorhügel wie frisch gekämmte, blonde Schulbuben erscheinen lassen. Weiter hinten, rotbraungelockt, der Wald. Leicht angerostet, dieser Schwarzwald. Bräuchte dringend eine Generalüberholgung. Aber der Schutzwal gegen französisches Flachländertum ist heute eh nicht mehr, was er mal war. Zwar wirkt der Streifen zwischen Rhein und Schwarzwald an manchen Stellen immer noch wie Niemandsland, in dem kleine Örtchen sich seit Jahrhunderten wundern, warum sie nicht in einem Tal stehen. Eine Schutzzone, in der die befürchtete, herandonnernde Flut gallischer Lebensfreude und Oberflachlichkeit ihre Kraft verlieren soll, bevor sie am massiven Ernst deutscher Kuckucksuhren zerschellt. Und doch …

Da stehen auf einem der Vorberge vier Windmühlen mit in den Himmel gereckten Armen, als ob vom letzten rotgrünen Verteidigungsminister dort hingestellt, in der irrigen Annahme die Franzosen hätten Quichote nicht gelesen und würden sich durch dieses Manöver irritieren lassen. So vereint man im Schwarzwald neudeutsch korrekte Gewaltfreiheit mit der Tugend erneuerbarer Energien und der Tradition ihrer altehrwürdigen Literatur. Immerhin wurde Cervantes Spanien damals von einem Habsburger regiert, war also auch deutsch – im weiteren Sinne.

Alles im Schwarzwald ist Literatur. Wo jedes Blatt Hesse atmet und jeder Stamm dermaleinst mit der Bild bedruckt wird. An den kleinen Siedlungen entlang der Murg kann man noch das ganze Universum menschlicher Irrwege im überschaubaren Rahmen eines Tales analysieren. Hier findet man es noch, das Allgemeine im Singulären, den Weltschmerz in jedem einsamen Bierglas.

Kurzer Halt des ICE in Freiburg, von dem man nicht so recht weiß, ob es noch französisch-katholisch oder schon deutsch-katholisch sei. Zu Zeiten des Münsterbaus wurden hier dem flachen Spott über die Geistlichkeit noch stolzer Ausdruck an der Kirchenwand verliehen, wo aus des Pöbels Sitzfleischmitte sich das Regenwasser über den Klerus ergießt. Heute Residenz des ranghöchsten Grünen-Politikers. Eine Partei, die immerhin mal einen Außenminister stellte. Während dem Kosovo-Krieg war das, glaub ich. Und so ein Grüner am Rande des Schwarz-waldes - wenn das nicht Zeichen republikanischer Verflachung sind!

Und dann, Basel. Angekündigt zuvor durch blaue Männchen, die mit stoischem Blick und einsteckender Dienstwaffe durch den Zug geistern und nur aus diskreten Augenwinkeln blitzschnell meinen Labtop scannen. Ungefährlich, darf passieren. Hätte ich fragen sollen: „Verstehst du auch, was du liesest, mein Sohn?“

Vor Basel fürchte ich mich fast. Manche Städte können ja auch in der Schweiz ganz nett sein. Obwohl der Schweizer Schwarzwald noch höher ist, als der deutsche. Sie nennen ihn Alpen, nur damit er im Gebirgslexikon noch vor den Anden kommt. Und aus gleichem Geiste haben sie der deutschen Sprache die Großschreibung aller Adjektive aufgezwungen, die auf –er enden, so dass man jede adjektivische Erwähnung ihrer Nation mit gebührendem orthographischen Respekt verzeichne.

Aber all das ist nicht der Grund meiner Furcht. Vielmehr kenne ich Basel bisher halt nur vom Auto her. Da ist das wohl verständlich. Wirkt diese „Stadt“ auf den geneigten Autofahrer doch, als hätte man sich in einen der berühmten, ungezählten S(!)chweizer Bunker verirrt und kommt nie mehr heraus, bevor man nicht seine Strafe bezahlt und als Zeichen dafür sich dieses kleine grüne Zettelchen an die Windschutzscheibe klebt. Und ohne einen S(!)chweizer Franken – das Geld haben sie also doch von den Franzosen, wie auch die Republik; da hilft kein „Wer hat’s erfunden“ rufen – in der Tasche, irrt man so durch diese Katakomben und fürchtet sich, Saddam Hussein zu begegnen, oder Jing und Jang, den zwei koreanischen Tyrannen. Oder Georg Busch und wie diese ganzen Militärdiktatoren noch heißen.

30.11.06

so fängt es also an

das gefühl, alt zu sein. neuen techniken hinterherhinken, immer in panik, den anschluss zu verpassen. sich einen abbrechen und dann gleich zwei blogs anmelden, weil man irgendwas mal wieder nicht geblickt hat, seufz...

aber jetzt, spät abends auf dem bienenberg, keine andere alternative mehr die letzten vorbereitungen für das morgige konfliktseminar aufzuschieben, hat es geklappt und e-world ist um die möglichkeit bereichert, meine seelischen ergüsse zu ignorieren, zu übersehen, wegzuklicken, zu kritisieren - ach sind wir mal wieder schön pessimistisch.

jetzt wo schon freunde von mir - denen ich abspreche soviel jünger zu sein - einen vielbeachteten blog haben, muss ich wohl auch mal dran. weiß nur noch nicht, wie das mit dem ton so werden soll. wenn wir nächstes jahr in paraguay sind, wird das ja vielleicht ein mittel mit allen hier in verbindung zu bleiben. da muss man halt schon mal üben. obwohl wir dann bestimmt was solides brauchen und nich son rumgelaber hier. aber nicht alles was ernst endet muss auch so anfangen und zwischendurch kann ich so gelegentlich mein gehirn lüften.

schlaf gut, nimmermüder cyberspace. was jetzt zu der frage führen könnte, ob selbigem raum noch andere göttlichen eigenschaften zu eigen sind (vgl. psalm 121,4). aber so weit wollen wir nicht gehen, sondern lieber ins bett.

Unsere Welt